Oberlandesgericht Stuttgart entscheidet zugunsten von sechs Spielern gegen Tipico
Eden Wagner · Oct 18, 2026

Oberlandesgericht Stuttgart entscheidet zugunsten von sechs Spielern gegen Tipico

Am 9. und 12. Oktober 2026 hat das Oberlandesgericht Stuttgart in zwei Verfahren sechs Spielern recht gegeben, die von den maltesischen Tipico-Gesellschaften Tipico Games Ltd. und Tipico Co. Ltd. die Rückzahlung von insgesamt rund 353.700 Euro an Glücksspielverlusten gefordert hatten, und zwar sowohl aus Online-Casinos als auch aus Sportwetten ohne deutsche Lizenz.
Die Gerichte stellten fest, dass ausländische Lizenzen, auch maltesische, die nach deutschem Recht erforderliche Erlaubnis nicht ersetzen können, und das gilt selbst für einige Verluste nach dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags 2021, solange die Anbieter keine deutsche Konzession besaßen.
Hintergründe der Verfahren und die Entscheidungen
Die sechs Kläger hatten zwischen 2019 und 2023 auf Plattformen von Tipico gespielt, die weder über eine deutsche noch über eine von einer deutschen Behörde anerkannte Lizenz verfügten, und die Richter sahen in den Verträgen deshalb einen Verstoß gegen das deutsche Glücksspielrecht, der die Rückforderung der Einsätze ermöglichte.
Die Urteile stützen sich auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, insbesondere das Urteil in der Rechtssache C-440/23 vom 16. April 2026, das nationale Verbote für nicht lizenzierte virtuelle Glücksspiele bestätigt hatte, und das Oberlandesgericht Stuttgart übertrug diese Grundsätze direkt auf die konkreten Klagen gegen die Tipico-Gesellschaften.
Die Beklagten hatten argumentiert, dass ihre maltesische Lizenz und die europäische Dienstleistungsfreiheit ausreichten, doch das Gericht folgte dieser Auffassung nicht und verwies stattdessen auf die Notwendigkeit einer separaten deutschen Erlaubnis für den Betrieb gegenüber deutschen Spielern.
Rechtliche Konsequenzen für ausländische Anbieter
Die Entscheidungen unterstreichen, dass Betreiber, die ohne deutsche Lizenz an deutsche Kunden gerichtete Glücksspiele anbieten, das Risiko tragen, zur Rückzahlung von Verlusten verurteilt zu werden, und zwar unabhängig davon, ob sie in ihrem Sitzland ordnungsgemäß lizenziert sind.
Das Urteil betrifft sowohl Verluste aus Casino-Spielen als auch aus Sportwetten und zeigt, dass die Gerichte auch nach dem 1. Juli 2021 getätigte Einsätze als rückforderbar ansehen, wenn die Anbieter zu diesem Zeitpunkt noch keine deutsche Lizenz besaßen.

Beobachter verweisen darauf, dass diese Linie bereits in früheren Entscheidungen deutscher Oberlandesgerichte sichtbar geworden war, doch die Stuttgarter Urteile fallen besonders ins Gewicht, weil sie einen größeren Betrag betreffen und unmittelbar vor einer erwarteten Entscheidung des Bundesgerichtshofs stehen.
Ausblick auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs
Der Bundesgerichtshof soll im Januar 2027 über vergleichbare Fälle entscheiden, und die Stuttgarter Urteile könnten als wichtige Orientierung dienen, da sie die Anwendung des Europäischen Gerichtshofs-Urteils auf konkrete Schadensersatzansprüche detailliert begründen.
Rechtsanwälte und Verbraucherschutzverbände werten die Entscheidungen als Signal, dass Spieler auch Jahre nach den Einsätzen noch Ansprüche geltend machen können, solange die Anbieter ohne deutsche Lizenz tätig waren, und erste Berichte sprechen bereits von weiteren Klagen, die in ähnlichen Verfahren anhängig sind.
Die Tipico-Gesellschaften haben bislang keine Stellungnahme zu einer möglichen Revision abgegeben, doch die Frist für eine Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesgerichtshof läuft noch, sodass die endgültige Rechtskraft der Stuttgarter Urteile erst nach Ablauf dieser Frist oder nach einer Entscheidung des höchsten deutschen Zivilgerichts feststehen wird.
Schlussfolgerung
Die Urteile des Oberlandesgerichts Stuttgart vom Oktober 2026 zeigen, wie sich die Rechtsprechung nach dem Europäischen Gerichtshofs-Entscheid vom April 2026 entwickelt, und sie verdeutlichen die finanziellen Risiken für Anbieter, die ohne deutsche Lizenz an deutsche Spieler gerichtete Angebote betreiben.
Die Rückzahlungsverpflichtung von rund 353.700 Euro in diesen sechs Fällen bildet einen konkreten Maßstab für künftige Verfahren, und die erwartete Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Januar 2027 wird voraussichtlich weitere Klarheit bringen, wie weit die Rückforderungsansprüche reichen und welche Anforderungen an die Lizenzierung künftig gelten.